Sportuhren


Was kennzeichnet eine sportliche Uhr?

Die sportliche Uhr einmal in ihrer tieferen Bedeutung:

Eine Uhr kann, strenggenommen, nur so sportlich sein wie ihr Träger. Nur er allein entscheidet, in welchem Ausmaß die der bestimmten Armbanduhr anerzogenen Eigenschaften hinsichtlich Robustheit, Wasserdichtheit, Zuverlässigkeit unter extremen Bedingungen etc. genutzt werden. Wenn man die Sportuhr nur im Büro einsetzt oder zu Hause bei leichter Gartenarbeit, so hat sie ihren ursprünglichen Zweck verfehlt. Dennoch liegen Sportuhren vor allem in den letzten Jahren so eindeutig im Trend, weil sie Blickfang sind und damit ein idealer publikumswirksamer Kontrastpunkt zur flachen, eleganten Lederbanduhr, wie sie bis Ende der achtziger Jahre kultiviert wurde. Im Zuge des Armbanduhrenbooms setzten die Sportuhren Zeichen.

Um das Wesen der Sportuhr zu begreifen, müssen wir uns auf die Details konzentrieren. Fangen wir einmal beim Chronographen, der beliebtesten aller Sportuhren, an. Zugegeben, es gibt auch elegante Chronographen im Goldgehäuse mit guillochierten Zifferblättern, Breguet-Zeigern und römischen Ziffern. Jene sind wohl kaum dazu angetan, Sportlichkeit zu signalisieren. Doch der stählerne Kollege mit dem versilberten Index-Zifferblatt, bei dem Drücker und Krone sowie Gehäuseboden verschraubt sind und dessen kompaktes Gehäusedesign schnörkellose Sachlichkeit demonstrieren, erfüllt bereits wichtige Kriterien an eine Sportuhr. Das massive Gehäuse verdaut klaglos leichtere Schläge und Stöße, seine aufwendige Bauweise gibt dem Eindringen von Wasser bei einem Druck von mindestens 3 bis üblicherweise 10 atm keine Chance. Sportuhren besitzen selten ein Plexiglas, das bereits bei geringfügiger Berührung mit Metall oder Gestein zu empfindlichen Kratzern neigt, auch Mineralgläser sind eindeutig auf dem Rückmarsch. Hier dominieren Saphirgläser.

Instrumentierung

Ein weiteres Signal des Sportchronographen ist die üppige Instrumentierung auf dem Zifferblatt, gepaart mit besonders guter Ablesbarkeit. Bei Chronographen werden die Hilfszifferblätter nicht selten schwarz oder weiß abgesetzt und die für die Stoppzeit zuständigen Zeiger (Minutenzähler, Stundenzähler und Stoppzeiger) farbig besonders hervorgehoben. Taucher- und Fliegerchronographen verfügen in der Regel über eine Drehlünette; bei Taucherchronographen ist sie stets nur in einer Richtung im Uhrzeigersinn drehbar, bei Fliegerchronographen beiderseits. Die Drehlünette, obwohl optisch markanter Blickfang, hat lediglich die Funktion einer Merkscheibe. Sie fordert aufgrund ihrer stilistischen Dominanz die Phantasie der Designer besonders heraus.

Ablesbarkeit

Der Ablesbarkeit wird bei Sportuhren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Eine Sportuhr sollte auch in der Dunkelheit tadellos abzulesen sein. Leuchtpunkte über den Stundenzeichen und mit Leuchtmasse ausgefüllte Zeiger tragen dieser Anforderung Rechnung. Auf die Spitze treiben es in dieser Hinsicht die Zifferblätter der Fliegeruhren, die für den Nachteinsatz der Staffel natürlich keinen Zweifel an der genauen Uhrzeit aufkommen lassen dürfen. Deshalb gibt es bei ihnen in der Regel auch keine gewöhnlichen Strichindexe, sondern großformatige arabische Zahlen. So sind es gerade die als 'Professional' bezeichneten Instrumentenuhren, die bereits die höhere Dimension der Berufstauglichkeit für bestimmte Sparten erreicht hat.

Uhrwerk

Die Sportlichkeit setzt sich unter dem Zifferblatt fort: Das Uhrwerk selbst muß den höheren Anforderungen an Robustheit, Strapazierfähigkeit und Zuverlässigkeit Rechnung tragen. Dafür eignen sich am besten Uhrwerke mit viel „Fleisch“. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, ein ultraflaches Mikrorotor-Automatikwerk in ein robustes Sportuhrengehäuse zu verpflanzen. Als Antriebe für Sportuhren und sportliche Chronographen eignen sich also in erster Linie robuste Uhrwerke von stattlicher Bauhöhe, die einiges wegstecken können und dabei auf hohe Uhrmacherkunst verzichten.

Der Boden

Es wurde bereits viel untersucht, wie der Boden einer Uhr abgedichtet werden muß, ob mit 4,6 oder 8 Schrauben durch den Boden in das Gehäusemittelteil - oder ob der Boden mit einem Gewinde auf das Mittelteil aufgeschraubt werden muß, wie es z.B. andere Firmen tun. Ich glaube, hier kann man keine allein selig machende Meinung vertreten. Es kommt einfach darauf an, daß der Boden mit dem Gehäuseteil so sicher wie irgend möglich verbunden ist.

Das Armband

Hier haben wir es mit vier verschiedenen Typen zu tun: das unverwüstliche Stahlband, das elastische Kautschukband, das preiswerte Plastikband und das, so merkwürdig es klingt, Lederarmband (meist Haifisch ,Seehund oder Büffel).

Beginnen wir mit dem Lederband. Hier gibt es einen Kardinalfehler auszuräumen: Auch wenn der Seehund oder der Hai im Wasser leben, ist ein Lederband für die Taucherei einfach nicht geeignet. Es ist und bleibt Leder, und Leder und Wasser vertragen sich nun mal nicht besonders gut. Sicher ist es chic, ein solches Lederband an der Taucheruhr zu tragen, aber dann sollte man es nach dem Tauchgang tun, so wie man sich eben auch zum Aprés-Ski chic umzieht, und nicht beim Tauchen.

Die Metallbänder, die heute vom Design her oft eine Einheit mit der Uhr bilden, sind durch einsetzbare Glieder jedem Armumfang anzupassen, und wenn sie aus guter Fertigung kommen (verschraubte Glieder) sehr haltbar. Ein Augenmerk sollte man noch auf die diversen Faltschließen werfen. Auch hier gibt es große Fertigungs- und Qualitätsunterschiede, die einem aber beim Vergleich verschiedener Modelle leicht selber ins Auge stechen (gebogene Blechverschlüsse oder Stahl gefräßt). Gut sind bei Taucheruhren aber auf alle Fälle die Sicherheitsbügel, die über die Faltschließe gedrückt werden und so eine zusätzliche Sicherung darstellen. Denn wie leicht kann man an einem Wrackteil einmal hängenbleiben und sich die Uhr vom Arm streifen, wenn die Faltschließe aufgegangen ist. Dies ist bei den Uhren mit dem Schutzbügel eben nicht möglich.

Die martialisch mit dicken Gummirippen versehenen Kautschukbänder sind heute sehr beliebt. Sie sind strapazierfähig und durch die Dornschließe mit Durchsteckbügel auch sehr sicher.

Die dünnen Plastikbänder, die sich dazu leicht verfärben und durch die 'sportliche' Lochung auch nicht gerade zu den strapazierfähigsten Bändern gehören, sollten vielleicht öfters ausgetauscht werden.

Hier noch ein Wort zu den Federstegen. Das sind jene Stäbchen oder Röhrchen mit den Federn innen liegend, die das Band am Gehäuse festhalten. Auch hier gibt es riesige Qualitätsunterschiede. Kaufen Sie immer die besten, stabilsten oder noch besser solche, die sich im Horn verschrauben lassen.